<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de-x-formal">
	<id>https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Begriff_und_Methoden_der_Poetik</id>
	<title>Begriff und Methoden der Poetik - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Begriff_und_Methoden_der_Poetik"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?title=Begriff_und_Methoden_der_Poetik&amp;action=history"/>
	<updated>2026-05-17T12:50:58Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Lyrikwiki</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?title=Begriff_und_Methoden_der_Poetik&amp;diff=15841&amp;oldid=prev</id>
		<title>Wikiop: Die Seite wurde neu angelegt: „ category: Wolff, Eugen category: Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung category: Erschienen 1899 category: Deutsches Texta…“</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?title=Begriff_und_Methoden_der_Poetik&amp;diff=15841&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2019-02-03T03:55:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Die Seite wurde neu angelegt: „ &lt;a href=&quot;/mediawiki/index.php?title=Kategorie:Wolff,_Eugen&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Kategorie:Wolff, Eugen (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;category: Wolff, Eugen&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;/mediawiki/index.php/Kategorie:Die_Gesetze_der_Poesie_in_ihrer_geschichtlichen_Entwicklung&quot; title=&quot;Kategorie:Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung&quot;&gt;category: Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;/mediawiki/index.php?title=Kategorie:Erschienen_1899&amp;amp;action=edit&amp;amp;redlink=1&quot; class=&quot;new&quot; title=&quot;Kategorie:Erschienen 1899 (Seite nicht vorhanden)&quot;&gt;category: Erschienen 1899&lt;/a&gt; category: Deutsches Texta…“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
[[category: Wolff, Eugen]] [[category: Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung]] [[category: Erschienen 1899]] [[category: Deutsches Textarchiv]] [[category: Ästhetik]] [[category: Poetik]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[category: Horaz]] [[category: Aristoteles]] [[category: Opitz, Martin]] [[category: Gottsched, Johann Christoph]] [[category: Lessing, Gotthold Ephraim]] [[category: Boileau, Nicolas]] [[category: Hédelin, François]] [[category:  Bodmer, Johann Jakob]] [[category: Breitinger, Johann Jakob]] [[category:  Schlegel, Johann Elias]] [[category: Baumgarten, Alexander]] [[category: Wolf, Christian]] [[category: Kant, Immanuel]] [[category: Schiller, Friedrich]] [[category: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich]] [[category: Scherer, Wilhelm]] [[category: Dilthey, Wilhelm]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eugen Wolff: Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung (1899)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Begriff und Methoden der Poetik. =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 1. Begriff der Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Poetik ist die Wissenschaft von den Gesetzen der Poesie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Wissenschaft ist die systematisch geordnete Summe dessen, &lt;br /&gt;
was wir über ein Gebiet wissen. Folglich ist Material der Poetik, &lt;br /&gt;
aus dem sie ihre Gesetze ableitet, die systematisch geordnete Summe &lt;br /&gt;
dessen, was wir über die Poesie wissen; d. h. Gegenstand der Poetik &lt;br /&gt;
ist die systematisch geordnete Geschichte der Weltpoesie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Poetik ergeben sich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
a) Ausgehen von der Weltpoesiegeschichte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
b) Ordnung der Weltpoesiegeschichte nach einheitlichen Gesichtspunkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Poetik beruht somit auf einem Rückblick über alle bisherige &lt;br /&gt;
Poesie, um deren Gesetze abzuleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 2. Ursprüngliche Auffassung der Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich hat man den rein wissenschaftlichen Charakter der &lt;br /&gt;
Poetik verkannt, ihr vielmehr ganz oder teilweise praktischen Zweck &lt;br /&gt;
unterschieben wollen. Damals blickte die Poetik wesentlich vorwärts, &lt;br /&gt;
um Regeln für alle zukünftige Poesie aufzustellen. Die Poetik gab &lt;br /&gt;
sich dogmatisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus welchen Quellen leiteten sich diese Regeln her? Sie fußten &lt;br /&gt;
auf Aussprüchen angesehener Kunstrichter des Altertums, das in der &lt;br /&gt;
Entstehungszeit der deutschen und überhaupt der modernen Poetik, im &lt;br /&gt;
Zeitalter der Renaissance, als unbedingte Autorität in Fragen der &lt;br /&gt;
Kunst galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 3. Autoritativ-dogmatische Poetik: Horaz. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die Renaissance sich überall enger an die Vermittlung der &lt;br /&gt;
Römer als an die griechischen Quellen der antiken Kunst anschloß, &lt;br /&gt;
war es zunächst Horaz, dessen Epistel an die Pisonen, ursprünglich &lt;br /&gt;
ein Gelegenheitsgedicht, zum Rang einer Poetik erhoben wurde. &lt;br /&gt;
Ohne Vollständigkeit zu erstreben oder auch nur das Wesen der Dichtkunst &lt;br /&gt;
in den Vordergrund stellen zu wollen, ging Horaz davon aus, &lt;br /&gt;
daß zu den Erfordernissen des vollendeten Dichters nicht bloß Begabung &lt;br /&gt;
gehöre, die er als selbstverständlich erwähnt, sondern auch &lt;br /&gt;
treue Beobachtung behufs Nachahmung der Wirklichkeit, ferner Studium&lt;br /&gt;
und zur Erreichung formeller Meisterschaft Uebung, ebenso &lt;br /&gt;
Fähigkeit zu einheitlicher Ordnung der Gedanken, schließlich eine Reihe &lt;br /&gt;
besonderer Eigenschaften namentlich für die dramatische Poesie. Jhm &lt;br /&gt;
war es vor allem darum zu thun, eine in seiner Zeit eingerissene schwindelhafte &lt;br /&gt;
Liederlichkeit zu geißeln, die - wie zu manchen Zeiten sonst - &lt;br /&gt;
prätendierte, daß Talent sowohl den Charakterhalt als Studium und &lt;br /&gt;
formelle Durchbildung ersetzen könne. Jndem die Renaissance-Poetik &lt;br /&gt;
diese Beziehung der Epistel außer acht ließ, wurde der kunstmäßigen &lt;br /&gt;
Form, die Horaz neben der Begabung zur Geltung bringen wollte, &lt;br /&gt;
entscheidender Wert und breitester Raum gewährt, und jede gelegentliche&lt;br /&gt;
Aeußerung dieser römischen Satire zum Kanon erhoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gewiß ist auch in der frühesten modernen Poetik schon eine &lt;br /&gt;
selbständige Bethätigung zu verspüren: aber sie beschränkte sich in Ergründung &lt;br /&gt;
des poetischen Wesens gerade darauf, einseitig diejenigen &lt;br /&gt;
Punkte herauszugreifen, die dem eigenen lehrhaften und formalistischen &lt;br /&gt;
Geiste Raum zu bieten schienen. &amp;quot;Entweder nützen oder ergötzen &lt;br /&gt;
wollen die Dichter oder zugleich beides, das Angenehme und Nützliche &lt;br /&gt;
des Lebens, zur Aussprache bringen&amp;quot;: solche gelegentliche Feststellung &lt;br /&gt;
ward als Begriffsbestimmung der Poesie ausgegeben, überdies mit einseitiger Betonung des Nützlichen. - &amp;quot;Wie die Malerei so die &lt;br /&gt;
Poesie: es giebt eine, die mehr einnimmt, wenn man näher hinzutritt, &lt;br /&gt;
und eine, wenn man sie in weiterem Abstand betrachtet&amp;quot;: dieser &lt;br /&gt;
äußerliche Vergleich unterlag bis zu Lessings Tagen einer Verallgemeinerung, &lt;br /&gt;
als ob Horaz damit für die Poesie habe die Gesetze der &lt;br /&gt;
Malerei empfehlen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die metrischen Untersuchungen entscheidend in den Vordergrund &lt;br /&gt;
traten, vollbrachte Martin Opitz 1624 in seinem &amp;quot;Buch von &lt;br /&gt;
der deutschen Poeterei&amp;quot; die Entdeckung des deutschen Versgesetzes im &lt;br /&gt;
Unterschied von dem antiken. Abgesehen von dieser bedeutsamen Regung &lt;br /&gt;
der Selbständigkeit verharrte die Poetik unter der Autorität &lt;br /&gt;
des Altertums und seiner Mittler aus den modernen Renaissance- &lt;br /&gt;
Völkern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 4. Fortsetzung: Aristoteles. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst der hervorragendste Kunstrichter und praktische Philosoph &lt;br /&gt;
des Altertums, Aristoteles, kam nicht in seinem reinen griechischen &lt;br /&gt;
Urtext zur Geltung, vielmehr übernahm ihn die deutsche Poetik in &lt;br /&gt;
der Auffassung französischer Kommentatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Opitz hat noch keinen entscheidenden Einfluß von Aristoteles erfahren. &lt;br /&gt;
Verständnislos benutzt haben ihn wohl die Theoretiker der &lt;br /&gt;
jüngeren Dichterschulen des 17. Jahrhunderts. Erst Gottsched sucht &lt;br /&gt;
1730 in seinem &amp;quot;Versuch einer kritischen Dichtkunst&amp;quot; die Theorien &lt;br /&gt;
des Stagiriten grundsätzlich durchzuführen. Auch er verkannte, in &lt;br /&gt;
Uebereinstimmung mit den Franzosen, den eigentlichen Charakter der &lt;br /&gt;
Aristotelischen Poetik. Sie fußte auf reichem Erfahrungsmaterial, &lt;br /&gt;
namentlich auf voller geschichtlichen Würdigung der griechischen Tragödie &lt;br /&gt;
und des Epos. Wiederum stellt die moderne Poetik die Kennzeichen &lt;br /&gt;
und Gesetze, welche der antike Kunstrichter an den ihm vorliegenden &lt;br /&gt;
Dichtwerken entdeckt, als Regeln und Richtschnur für alle &lt;br /&gt;
künftige Poesie hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ursache für Entstehung der Dichtkunst faßt Aristoteles den &lt;br /&gt;
Nachahmungstrieb auf; so sucht er die Dichtkunst von andern Arten &lt;br /&gt;
der Nachahmung zu scheiden, die idealisierenden Mittel festzustellen, &lt;br /&gt;
durch welche sie das Vorbild zur Kunst gestaltet. Der unkünstlerische, naturalistische Sinn der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts &lt;br /&gt;
las aus alledem nur seine eigene Geistlosigkeit heraus: Nachahmung, &lt;br /&gt;
und zwar möglichst unverfälschte Nachahmung der Natur und platte &lt;br /&gt;
Wiedergabe des Rohstoffes sei das Wesen und der Zweck aller Kunst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz in Abhängigkeit von der Lehre der französischen Klassiker &lt;br /&gt;
des 17. Jahrhunderts nimmt Gottsched die gelegentlichen praktischen &lt;br /&gt;
Winke des Aristoteles über die drei Einheiten der Tragödie mit pedantischer &lt;br /&gt;
Veräußerlichung als Grundgesetze über das Wesen dieser Kunstform &lt;br /&gt;
hin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu derselben Zeit, da sich die spekulative Philosopie den Banden &lt;br /&gt;
des Aristoteles entwand, um mit Descartes modern, mit Leibniz &lt;br /&gt;
deutsch zu philosophieren, hebt sich somit eine neue Herrschaft des &lt;br /&gt;
Stagiriten auf dem Gebiete der Poetik an. Noch Lessing steht ganz &lt;br /&gt;
im Bann dieser großen Autorität, ja gerade er stellt Aristoteles als &lt;br /&gt;
Kanon hin, von einer Geltung wie Euklid in der Mathematik. Nur &lt;br /&gt;
griff seine Hamburgische Dramaturgie (1767-1769) zum ersten mal &lt;br /&gt;
kongenial auf den Urtext des Aristoteles zurück und hob den humanistischen &lt;br /&gt;
Kern dieser antiken Kunstlehre heraus: die tragischen Leidenschaften &lt;br /&gt;
und ihre Katharsis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch heute findet die Autorität des Aristoteles weithin dogmatische &lt;br /&gt;
Anerkennung. Doch hat sich inzwischen aus verschiedenen Keimen &lt;br /&gt;
das Recht selbständiger Forschung über das Wesen der Poesie zur &lt;br /&gt;
Geltung durchgerungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 5. Fortsetzung: Die Franzosen. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den neueren Völkern waren es die Franzosen, die um die &lt;br /&gt;
Wende des 17. und 18. Jahrhunderts, wie auf allen Gebieten, auch &lt;br /&gt;
in der Poetik als Muster galten. Wurden doch selbst die antiken &lt;br /&gt;
Kunstlehren erst durch französische Vermittlung nach Deutschland übernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Renaissance-Poetiken, die ausdrücklich auf dem Altertum &lt;br /&gt;
fußen, folgen Versuche, in der Theorie der Dichtkunst den französischen &lt;br /&gt;
Geist selbstthätig zur Wirkung zu bringen. Boileau vor allem &lt;br /&gt;
prägt den Geist seines Volkes und seines Zeitalters - des Zeitalters &lt;br /&gt;
von Ludwig XIV. - in der Poetik aus. Noch weithin zeigt sich Berührung mit Horaz, aber zum guten Teil entspringt sie aus Verwandtschaft &lt;br /&gt;
der beiden kritischen Köpfe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Boileau gelangt der &amp;quot;gesunde Menschenverstand&amp;quot; (bon sens) &lt;br /&gt;
in Auffassung der Poesie zur Herrschaft; nichts ist ihm schön als das &lt;br /&gt;
Wahre; Verstiegenheit der Phantasie erregt seinen Spott - so war &lt;br /&gt;
er zu einer ästhetischen Autorität auch des deutschen Rationalismus &lt;br /&gt;
prädestiniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nächstdem ist es namentlich Hedelin, der Abt von Aubignac, &lt;br /&gt;
der bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Deutschland anerkannte &lt;br /&gt;
Geltung, in erster Linie für theatralische Fragen, genießt. Auch sonst &lt;br /&gt;
entfaltet jeder deutsche Beitrag zur Poetik bis in Lessings Tage eine &lt;br /&gt;
bunte Musterkarte französischer Autoritäten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 6. Spekulativ-dogmatische Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnzwischen versucht die philosophische Spekulation selbständig ihre &lt;br /&gt;
Schwingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Gottsched hergehend, unternehmen die Züricher Kunstrichter &lt;br /&gt;
Bodmer und Breitinger die Begründung einer eigenen Kunstlehre &lt;br /&gt;
aus der Phantasie. Obschon von eigenem Geiste durchdrungen, &lt;br /&gt;
zeigen sich ihre (in der Hauptsache 1740 erschienenen) theoretischen &lt;br /&gt;
Schriften in den Einzelfragen noch weithin von fremden Autoritäten &lt;br /&gt;
abhängig. Nicht anders ergeht es Gottscheds hervorragendstem Schüler &lt;br /&gt;
Johann Elias Schlegel, der (noch in den vierziger Jahren) das &lt;br /&gt;
Verhältnis der Kunst zur Natur weniger sklavisch darstellen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begründer der ausgebildeten, geschlossen systematischen Theorie &lt;br /&gt;
der Kunst auf spekulativer Grundlage wird indessen erst Alexander &lt;br /&gt;
Baumgarten, dessen &amp;quot;Aesthetika&amp;quot; (Band I: 1750, Band II: &lt;br /&gt;
1758) der neuen Wissenschaft den Namen gab. Wie dieser Name &lt;br /&gt;
sagt, sieht Baumgarten in ihr eine Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis, &lt;br /&gt;
deren Vollkommenheit, die Schönheit, damit zum Prinzip &lt;br /&gt;
der Kunst erhoben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Ausgang nahm Baumgarten von der Philosophie Christian &lt;br /&gt;
Wolfs, die weniger ihre Aufgabe in Ergründung des Welträtsels &lt;br /&gt;
als in dem formalistischen Streben sah, Ordnung in die Uebersicht &lt;br /&gt;
aller Gebiete des menschlichen Geistes zu bringen: so führte das Streben nach Klassifizierung notgedrungen zu einer Abzweigung dieser &lt;br /&gt;
eigenartigen Seelenfunktion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jn Kant erhob sich die deutsche Philosophie zu klassischer Höhe. &lt;br /&gt;
Auf dem Gebiete der Aesthetik bewirkt Kants &amp;quot;Kritik der Urteilskraft&amp;quot; &lt;br /&gt;
(1790) nicht eine gleiche Umwälzung wie in der modernen Weltanschauung &lt;br /&gt;
seine &amp;quot;Kritik der reinen Vernunft&amp;quot;. Fruchtbar wurde vor &lt;br /&gt;
allem seine eindrucksvolle Begriffsbestimmung des Schönen und des &lt;br /&gt;
Erhabenen, sowie die Unterordnung des Sinnentriebes und so auch &lt;br /&gt;
der ästhetischen Neigung unter den Moraltrieb, die eherne Unterjochung &lt;br /&gt;
des Natürlich-Gefälligen unter das Geistig-Notwendige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere klassischen Dichter fühlten sich von dieser kategorischen &lt;br /&gt;
Schroffheit abgestoßen. Jn den Xenien parodierten sie den rigoristischen &lt;br /&gt;
Zug des großen Königsberger Philosophen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&amp;quot;Gewissensskrupel.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerne dien&amp;#039; ich den Freunden, doch thu&amp;#039; ich es leider mit Neigung, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so wurmt es mir oft, daß ich nicht tugendhaft bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Decisum.&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist kein andrer Rat, du mußt suchen, sie zu verachten, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit Abscheu alsdann thun, wie die Pflicht dir gebeut.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schiller war es, der einen Ausgleich zwischen Naturtrieb und Geist, &lt;br /&gt;
eine freiwillige Unterwerfung des Sinneninstinktes unter das Sittengesetz &lt;br /&gt;
suchte und gerade in &amp;quot;ästhetischer Erziehung&amp;quot; fand: so offenbarte &lt;br /&gt;
sich ihm die Kunst als Mittlerin zwischen den menschlichen Leidenschaften &lt;br /&gt;
und Pflichten, als Weg zur Vergeistigung der menschlichen &lt;br /&gt;
Natur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die spekulative Aesthetik erreichte ihren Höhepunkt in Hegel: er &lt;br /&gt;
faßt die Kunst nicht allein als eine Erscheinungsform des absoluten &lt;br /&gt;
Geistes, vielmehr als ein geschichtliches Stadium desselben &lt;br /&gt;
und leitet so zu der fruchtbaren entwicklungsgeschichtlichen Betrachtung &lt;br /&gt;
über, welche sich nicht darauf beschränkt, die Künste in ihrem heutigen &lt;br /&gt;
Nebeneinander hinzunehmen, sondern ihre Entstehung und ihr ursprüngliches &lt;br /&gt;
Verhältnis zu erfassen sucht. Die Durchführung dieses richtigen &lt;br /&gt;
und epochemachenden Prinzips scheitert bei Hegel an der willkürlichen &lt;br /&gt;
Konstruktion einer solchen Geschichte des menschlichen Geistes. Namentlich &lt;br /&gt;
handelt er die Religion als eine höhere Stufe des Geistes hinter der Kunst ab, ohne ernstlich nach der geschichtlichen Priorität &lt;br /&gt;
zu fragen und damit den Entstehungsprozeß der Poesie geschichtlich &lt;br /&gt;
zu belauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 7. Empirische Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Ausdehnung und den Erfolgen der Einzelforschung sah &lt;br /&gt;
sich die Wissenschaft im Laufe des 19. Jahrhunderts mehr und mehr &lt;br /&gt;
auf einen induktiven d. i. aus der Erfahrung ableitenden Betrieb &lt;br /&gt;
hingedrängt. Von dem Zug der modernen Naturwissenschaft, aus &lt;br /&gt;
umfassender Beobachtung des Einzelmaterials durchgehende Gesetze abzuleiten, &lt;br /&gt;
wurde auch die Geisteswissenschaft ergriffen. Auf verschiedenen &lt;br /&gt;
Gebieten verfügt sie thatsächlich bereits über ein genügend &lt;br /&gt;
reiches Erfahrungsmaterial, daß es sich selbst eine Binde vor die &lt;br /&gt;
Augen legen hieße, wenn die Philosophie, und so auch die Kunstphilosophie, &lt;br /&gt;
noch länger allein nach allgemeinen Kategorien von außen &lt;br /&gt;
her an ihre Gegenstände heranträte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Poetik war die neue Aufgabe: statt aus der Jdee eines &lt;br /&gt;
Einzelgeistes deduktiv Gesetze zu formulieren und diese durch Beispiele &lt;br /&gt;
zu belegen, vielmehr umgekehrt Beispiele poetischer Bethätigung in &lt;br /&gt;
möglichst großer Zahl zu sammeln, um aus ihrer systematischen Ordnung&lt;br /&gt;
die Gesetze abzuleiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Versuch zur Erfüllung dieser Forderung unternahm Wilhelm &lt;br /&gt;
Scherer. Jm Sommer 1885 hielt er Universitätsvorlesungen &lt;br /&gt;
über Poetik, ein Jahr darauf starb er. Das aus seinem Nachlaß &lt;br /&gt;
herausgegebene Manuskript der Vorlesungen will somit nicht als abgeschlossenes &lt;br /&gt;
System, sondern nur als Entwurf beurteilt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Scherer bezeichnet als sein Programm: &amp;quot;die dichterische Hervorbringung, &lt;br /&gt;
die wirkliche und die mögliche, vollständig zu beschreiben in &lt;br /&gt;
ihrem Hergang, in ihren Ergebnissen, in ihren Wirkungen&amp;quot;. Eine &lt;br /&gt;
Poetik, die sich derart grundsätzlich auf Beschreibung des Materials &lt;br /&gt;
beschränkt, würde - wie von vorn herein einleuchtet - rein empirisch &lt;br /&gt;
bleiben, nur die Erfahrung geben, ohne sie zu erklären, geistig &lt;br /&gt;
zu durchdringen. Jn einem an sich berechtigten Eifer, vorschnelle &lt;br /&gt;
Folgerungen abzuwehren, will sich Scherer denn auch philosophischer &lt;br /&gt;
Schlußfassung möglichst entschlagen. Dieses Streben, an der Philosophie vorbeizugehen, läßt die äußere, materielle Erscheinung einseitig &lt;br /&gt;
in den Vordergrund treten und den geistigen Prozeß in der Dichterseele &lt;br /&gt;
dahinter verschwinden. Wo möglichst nur das, was mit Händen &lt;br /&gt;
greifbar, als Erfahrungsmaterial anerkannt ist, wird naturgemäß für &lt;br /&gt;
das innere Wesen der Dichtung leicht die äußere Erscheinungsform &lt;br /&gt;
hingenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses selbe Streben, statt an den Geist sich möglichst weit an &lt;br /&gt;
die Natur zu halten, läßt Scherer über den Rahmen der philosophischen &lt;br /&gt;
und selbst der litteraturgeschichtlichen Erfahrung nach rein naturgeschichtlichen &lt;br /&gt;
Beobachtungen blicken, die namentlich für die Entstehnng &lt;br /&gt;
der Poesie zur Verwertung kommen. Eine solche unmittelbare Uebertragung &lt;br /&gt;
tierischer Funktionen (wie der Liebeslockrufe als erster Form &lt;br /&gt;
poetischer Aeußerungen) auf das Gebiet des menschlichen Geistes bleibt &lt;br /&gt;
nun in jedem Falle materialistisch; für die Poesie ist dies Verfahren &lt;br /&gt;
um so weniger statthaft, als von ihr nicht vor Entwicklung der artikulierten &lt;br /&gt;
Sprache die Rede sein kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei alledem bringt Scherers Versuch eine Fülle von fruchtbaren &lt;br /&gt;
Einzelbemerkungen und glücklich herangezogenen litteraturgeschichtlichen &lt;br /&gt;
Belegen bei. Daß nicht in noch umfassenderem Maße die Weltlitteratur &lt;br /&gt;
zugrunde gelegt und so der naturwissenschaftliche und nationalökonomische &lt;br /&gt;
Zug stärker zurückgedrängt ist, erklärt sich unschwer aus &lt;br /&gt;
der Entstehung und dem jähen Abbruch des Werkes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 8. Psychologisch-induktive Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungefähr gleichzeitig mit Scherers unphilosophischer Poetik gab &lt;br /&gt;
Wilhelm Dilthey Bausteine für eine neue Poetik durch seine Abhandlung &lt;br /&gt;
über &amp;quot;Die Einbildungskraft des Dichters&amp;quot; (1887 in dem &lt;br /&gt;
Eduard Zeller gewidmeten Sammelwerk verschiedener Autoren: &amp;quot;Philosophische &lt;br /&gt;
Aufsätze&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier wird der Ruf nach einer induktiven Poetik erhoben, &lt;br /&gt;
und Dilthey stützt sich im Prinzip auf das richtige, allein mögliche &lt;br /&gt;
Material der Erfahrung über die Litteratur: d. i. die Litteraturgeschichte, &lt;br /&gt;
ohne aus der Naturgeschichte hypothetische Analogien zu &lt;br /&gt;
übertragen. Als Philosoph vergißt Dilthey ebenso wenig, daß die &lt;br /&gt;
Aesthetik Kunstphilosophie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders bedeutsam erscheint, daß Dilthey auch im Hinblick auf &lt;br /&gt;
die Poesie wiederholt die Geschichtlichkeit des Seelenlebens betont, so &lt;br /&gt;
daß er sich der geschichtlichen Begrenztheit ästhetischer Gesetze nicht &lt;br /&gt;
verschließt, aber, über die bloße Empirie hinaus, die Allgemeingültigkeit &lt;br /&gt;
gewisser Grundzüge sucht. Dilthey geht so weit, von entwicklungsgeschichtlicher &lt;br /&gt;
Auffassung zu sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung dieses fruchtbaren Gedankens wird beschränkt &lt;br /&gt;
durch Berufung auf die Methode &amp;quot;der wechselseitigen Erhellung, wie &lt;br /&gt;
sie Scherer bezeichnet hat&amp;quot;, d. i. auf die Vergleichung beliebiger, &lt;br /&gt;
ohne historischen Zusammenhang herangezogener Beispiele. So sind &lt;br /&gt;
an die umfassende und feine psychologische Untersuchung einstweilen &lt;br /&gt;
nur wenige Seiten bestätigender Zeugnisse gereiht. Und dieser Schatz &lt;br /&gt;
der Erfahrung ist als starre Masse betrachtet, Erscheinungen verschiedener &lt;br /&gt;
Zeiten sind als klassische Beispiele beliebig durch einander geschoben &lt;br /&gt;
- mit einem Wort, auch in dieser verheißungsvollen Programmschrift &lt;br /&gt;
noch ist die Litteraturgeschichte nur als Raritätenkasten, &lt;br /&gt;
in den sich nach Bedürfniß hineingreifen läßt, statt als fließender &lt;br /&gt;
Organismus behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 9. Entwicklungsgeschichtliche Poetik. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ist die Anschauung weit verbreitet, daß durch &amp;quot;klassische &lt;br /&gt;
Beispiele&amp;quot; aus der Neuzeit oder aus früheren Blüteperioden der Litteratur &lt;br /&gt;
allgemeingültige Gesetze der Poetik gewonnen werden könnten. &lt;br /&gt;
Wo indes eine wissenschaftliche Allgemeingültigkeit erreicht werden soll, &lt;br /&gt;
ist die Vorbedingung in jeder ausgebildeten Wissenschaft Allumfassung &lt;br /&gt;
des Materials. Will also die induktive Poetik aus dem Stadium der &lt;br /&gt;
Experimente in das des wissenschaftlichen Systems übergehen, so muß &lt;br /&gt;
sie auf zusammenhängender Betrachtung der Geschichte der Weltpoesie &lt;br /&gt;
fußen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liegt es an sich schon nahe, daß ein jeder Ueberblick den geschichtlichen &lt;br /&gt;
Zusammenhang in geschichtlicher Folge durchläuft, so &lt;br /&gt;
benötigt die induktive Poetik um so mehr dieser Verfahrungsweise, als &lt;br /&gt;
sich aus Verfolgung der geschichtlichen Wandlungen und Umbildungen &lt;br /&gt;
die allein zuverlässige Erklärung für die mancherlei offenbaren Abweichungen &lt;br /&gt;
innerhalb derselben poetischen Arten und Formen gewinnen läßt, für Abweichungen, die bei ungeschichtlicher bloßen Nebeneinanderstellung &lt;br /&gt;
an der Möglichkeit allgemeingültiger Begriffsbestimmung der &lt;br /&gt;
Poesie Zweifel aufkommen ließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn wir alle inneren und äußeren Uebereinstimmungen der so &lt;br /&gt;
verschieden gearteten und gestalteten Zweige der Weltpoesie zusammenhängend &lt;br /&gt;
überblicken, so muß damit das Grundprinzip aller &lt;br /&gt;
Poesie herauszuheben sein; es muß auch aus dem geschichtlichen Zusammenhang &lt;br /&gt;
und der geschichtlichen Entwicklung das Prinzip der &lt;br /&gt;
Wandlungen erhellen, denen die Poesie unterworfen war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenhängende Aufwicklung der geschichtlich gegebenen Erscheinungen, &lt;br /&gt;
systematische Geschichte der Weltpoesie, erscheint danach &lt;br /&gt;
als notwendige Grundlage der induktiven Poetik. Und diese hört auf, &lt;br /&gt;
empirisch zu sein, wird wahrhaft zur Kunstphilosophie, sobald sie die &lt;br /&gt;
Teile des Materials nicht mehr als Regel, sondern als geregelt betrachtet, &lt;br /&gt;
sobald sie die psychologische Quintessenz des Ganzen zum &lt;br /&gt;
alleinigen Gesetz erhebt: denn die Einzelerscheinungen nach ewigen &lt;br /&gt;
Prinzipien zu ergründen, ist das Wesen der Philosophie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber die Poetik hört damit auch auf, die Gesetze einer einzig &lt;br /&gt;
wahren Poesie zu suchen: sie ergründet die Entwicklungsgesetze der &lt;br /&gt;
Poesie nach den Grundzügen wie den Variationen - nicht nur die &lt;br /&gt;
Methode, auch der Gehalt der neuen Poetik ist entwicklungsgeschichtlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== § 10. Fortsetzung: Einschränkungen. ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir werden von vorn herein genötigt sein, die Bedenken und &lt;br /&gt;
Beschränkungen ins Auge zu fassen, denen die entwicklungsgeschichtliche &lt;br /&gt;
Poetik unterliegen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Wir wollen auf poetischem Material fußen, um die Poesie &lt;br /&gt;
zu erklären. Die Poetik will die Poesie regeln - und soll sich nun &lt;br /&gt;
von der Poesie regeln lassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kennen wir die Gesetze, welche die Dichtung der Vergangenheit &lt;br /&gt;
in sich trägt, dann kennen wir freilich diejenigen, welche der zukünftigen &lt;br /&gt;
Litteratur zukommen, nur so weit wie wir überhaupt Zukünftiges &lt;br /&gt;
mit geschichtsphilosophischem Geist voraussetzen können. Weiter &lt;br /&gt;
vermag aber keine Wissenschaft zu dringen. Genug, daß wir mit den &lt;br /&gt;
Grundzügen der Poesieentwicklung, d. i. mit den Gesetzen, welche der Gesamtpoesie der Vergangenheit zugrunde liegen, einen Maßstab &lt;br /&gt;
für Beurteilung der Einzelerscheinungen in Vergangenheit und Gegenwart&lt;br /&gt;
gewonnen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Die Poetik will allgemeingültig sein - und nimmt doch &lt;br /&gt;
verschieden gestaltete Entwicklungsstufen der Poesie an!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jndes erkennt sie nicht jede Entwicklungsstufe für sich als gesetzgebend &lt;br /&gt;
an, was ein Chaos von Widersprüchen ergäbe. Die Poetik &lt;br /&gt;
erkennt vielmehr jede Entwicklungsstufe nur als eine Potenz, eine &lt;br /&gt;
Aeußerungsform der Entwicklung an und erst aus dem Jneinandergreifen &lt;br /&gt;
und einheitlichen Grundzug dieser Potenzen erschließt sie das &lt;br /&gt;
durchgehends zugrunde liegende Prinzip der Entwicklung. Dieses ist &lt;br /&gt;
zugleich partikulär für jede einzelne Entwicklungsstufe und allgemeingültig &lt;br /&gt;
für alle Stufen insgesamt, somit unanfechtbar gesetzgebend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es giebt ein einheitliches Wesen der Poesie, aber es hat viele &lt;br /&gt;
Offenbarungsformen, und die identischen Urzellen derselben werden &lt;br /&gt;
dem Beschauer erst durch geordnetes Zusammenrücken sichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Die entwicklungsgeschichtliche Poetik hat ihre Untersuchung &lt;br /&gt;
mit dem Beginn der Entwicklung, mit der Urpoesie, einzusetzen - &lt;br /&gt;
aber sie muß sich mit der ältesten geschichtlich erschließbaren Poesie &lt;br /&gt;
als Ausgangspunkt begnügen! Wie die Dichtung der Zukunft liegt &lt;br /&gt;
auch die der vorgeschichtlichen Vergangenheit in Dunkel gehüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausschlaggebend ist: ob der vorhandene Ausschnitt der Weltpoesiegeschichte &lt;br /&gt;
von der ältesten ergründeten Zeit bis auf die Gegenwart &lt;br /&gt;
ausgedehnt d. h. entwicklungsreich genug ist, um ein bestimmtes Entwicklungsprinzip &lt;br /&gt;
erkennen zu lassen. Besteht diese Möglichkeit, dann &lt;br /&gt;
dürfen wir hypothetisch den Faden ebenso rückwärts in vorgeschichtliche &lt;br /&gt;
Zeit spinnen, wie wir ihn durch Aufstellung von Gesetzen, wenigstens &lt;br /&gt;
bedingungsweise, vorwärts in eine ständig ergänzende und revidierende &lt;br /&gt;
Zukunft ziehen. Nachdem wir die in geschichtlicher Zeit waltenden &lt;br /&gt;
Gesetze erkannt haben, werden wir zum mindesten voraussetzen dürfen, &lt;br /&gt;
daß die Entwicklung der Poesie in geschichtlich noch nicht erschlossener &lt;br /&gt;
Zeit nicht nach entgegengesetzten Normen erfolgte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je umfassender, je voller ausgeführt, je tiefer eingehend die Jnduktion, &lt;br /&gt;
desto präziser werden die Ergebnisse sein. Vorerst wird es &lt;br /&gt;
möglich und notwendig sein, in den Grundzügen die Richtung der &lt;br /&gt;
Poesieentwicklung zu erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Fortsetzung: Definitionen der Poesie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus: Wolff, Eugen: Poetik: Die Gesetze der Poesie in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Ein Grundriß. Oldenburg, Leipzig: Schulzesche Hof-Buchhandlung, 1899.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2019. URL: http://www.deutschestextarchiv.de/.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Wikiop</name></author>
	</entry>
</feed>